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SIBO – die Dünndarmfehlbesiedlung

SIBO – die Dünndarmfehlbesiedlung, kurz DDFB, ist ein Phänomen, das mittlerweile 60% aller Reizdarmpatienten betrifft. SIBO steht für small intestinal bacteria overgrowth.

Nahezu 100% aller Fibromyalgiepatienten leiden unter einem fehlbesiedelten Dünndarm.

Gutartige Dickdarm-Bakterien wandern aus verschiedenen Gründen, auf die im Folgenden näher eingegangen wird, in den Dünndarm ein. Weil sie dort eigentlich nichts zu suchen haben, ergeben sich Probleme, die sich nicht allein auf den Darm beschränken.

Bakterien, die im Dickdarm gute Arbeit leisten, finden im Dünndarm paradiesische Zustände vor: Viel Nahrung bei wenig Konkurrenz. Leider produzieren sie dort Gase, die schwer abzuleiten sind, und sich oft unmittelbar nach der Nahrungsaufnahme in einem Blähbauch äußern. Denn da die Luft weder nach oben noch nach unten entweichen kann, staut sie sich im Dünndarm.

Von SIBO Betroffene vertragen oft nur Weißmehlprodukte und andere ungesunde Lebensmittel, da alles andere zu immenser Gasbildung führt. Weil diese einfachen Kohlenhydrate bereits im oberen Teil des Dünndarms aufgenommen werden, gehen die meist im unteren Dünndarmabschnitt auf Nahrung lauernden, Gas bildenden Bakterien leer aus, und somit bleibt die gefürchtete gasbildende Reaktion aus.

Auch oral verabreichte Probiotika gelangen in einem Fall von Dünndarmfehlbesiedlung nicht in den Dickdarm, für den sie eigentlich gedacht waren. Stattdessen werden sie bereits im Dünndarm verspeist, was sich in deutlichen Blähungen bemerkbar mach

Symptome einer SIBO

Oberbauchschmerzen, eine harte Bauchdecke und Blähungen können vielfältige Ursachen haben. Eine jedoch ist die bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarms.

Begleiterscheinungen, die oft mit einer SIBO einhergehen, können Brainfog, ständige Müdigkeit, Konzentrations- und Gedächtnisschwierigkeiten sein. Auch das Gefühl nicht klar denken zu können und depressive Verstimmungen gehören zu den Symptomen einer Dünndarmfehlbesiedlung.

Langjährige Reizdarmpatienten klagen über hartnäckige Gasbildungen in ihren Bäuchen, die sich trotz Ernährungsumstellung täglich aufs Neue aufblähen. Leider wird diese Symptomatik meist immernoch als rein psychosomatisch abgetan, weil weder die gängige Stuhlanalyse noch eine Darmspiegelung erklärende Befunde liefern kann.

Wo steckt die Luft fest?

Um eine eigene Betroffenheit festzustellen, können folgende Informationen hilfreich sein, wobei die Bereiche nicht so klar abzugrenzen sind:

Luft im Magen? Die Luft kann durch Aufstoßen entweichen.

Luft im Dickdarm? Zwar gehen Gasansammlungen im Dickdarm auch mit einem Blähbauch einher, aber die Luft kann über den After abgeleitet werden. Im Dickdarm ist eine Gasbildung physiologisch.

Luft im Dünndarm? Die Luft kann weder nach oben noch nach unten entweichen. Die Volumenvergrößerung des Dünndarms durch die Gase kann unter anderem zu Schleimhautschäden führen und die Entstehung eines leaky gut begünstigen. Denn der Dünndarm ist nicht für so große Gasmengen angelegt.

Außerdem können die Blähungen Herzstolpern verursachen, wenn die Luft aufs Zwerchfell drückt (Roemheld Syndrom).

Wo bleibt das Gas?

Unsere Darmbakterien produzieren normalerweise täglich mehrere Liter Gas, ohne dass wir es bemerken. Das meiste davon wird vom Blut aufgenommen und über die Lunge abgeatmet. Doch die bei einer SIBO im Dünndarm anfallenden Mengen, und insbesondere die Eigenschaften der Gase, bei denen es sich unter anderem um Methan und Schwefelwasserstoff handelt, wirken neurotoxisch. Dies kann sich primär in sogenanntem Brainfog (Gehirnnebel) äußern, der sich unter anderem in Wortfindungsstörungen Ausdruck verleiht.

Gelegentlich übel riechende Darmwinde sind kein Grund zur Besorgnis, wenn es jedoch regelmäßig stinkt, deutet das immer auf ein bakterielles Ungleichgewicht innerhalb der Darmflora hin.

Ursachen einer SIBO

Die eingewanderten Dickdarmbakterien gehen auch im Dünndarm ihrem Auftrag nach, nämlich den anfallenden Restzucker zu spalten. Das Problem in ihrer neuen Umgebung ist, dass hier viel mehr der zu zerlegenden Substanzen vorkommen, was die erheblich höhere Gasproduktion erklärt.

Dabei produzieren die meisten Bakterien Wasserstoff, doch es existieren auch Methan und Schwefelwasserstoff bildende Zeitgenossen innerhalb unseres Mikrobioms.

Wir gehen meist davon aus, zuviel Magensäure zu produzieren. Tatsächlich jedoch handelt es sich oft um einen Magensäuremangel. In beiden Fällen kann dies pH-Wert-Verschiebungen in den einzelnen Verdauungskompartimenten nach sich ziehen. Da die dort jeweils ansässgen Enzyme nur bei einem für sie optimalen pH-Wert korrekt arbeiten, fällt deren grundlegender Beitrag zu einer reibungslosen Verdauung weg.

Zeichnung des Übergangs vom Dünn- in den Dickdarm
Dünn- und Dickdarm sind durch die Bauhin-Klappe (grün) voneinander abgeschirmt.

Die Bauhin Klappe, die den Übergang vom Dünn- zum Dickdarm unter Verschluss hält, ist eine bindegewebige Struktur. Deshalb kann die Ursache für eine Fehlbesiedlung in einer Bindegewebsschwäche (bei HPU und Fibromyalgie) begründet liegen. Denn wenn der Schließmechanismus der auch Ileozäkalklappe genannten Struktur nur eingeschränkt funktioniert, können Bakterien illegal aus dem Dickdarm in den Dünndarm aufsteigen.

Auch eine Blinddarm-Operation oder virale bzw. bakterielle Darminfektionen, die unseren Motoneuronenkomplex im Dünndarm beschädigt haben, können eine SIBO verursachen.

Der Motoneuronenkomplex

Der Motoneuronenkomplex ist eine Ansammlung von Schrittmacherzellen, die innerhalb des enterischen Nervengeflechts als Schaltzentralen die Darmperistaltik in die richtige Richtung laufen lassen, also vorwärts, nämlich vom Dünndarm über den Dickdarm nach außen. Ihre volle Funktion verhindert ein Zurückschwappen des Speisebreis.

Bei einem Defekt dieses Nervenkomplexes können die Dickdarmbakterien über die zudem undichte Bauhin Klappe in den Dünndarm migrieren und sich dort niederlassen, wo sie allein angesichts des Nährstoffreichtums ein Schlaraffenland vorfinden.

Denn im Vergleich zum Dickdarm ist im normalerweise eher dürftig bakteriell besiedelten Dünndarm die Konkurrenz sehr gering und das Leben für die zugereisten Mikroben somit viel attraktiver.

Die Bakteriendichte steigt von Beginn zum Ende des Verdauungstraktes an. Während der Dünndarm mit 10000 pro ml sehr schwach besiedelt ist, tummeln sich im Dickdarm durchschnittlich 1Milliarde Bakterien/ml im Dickdarm.

Meist handelt es sich bei den Eindringlingen um unsere eigenen Bakterien, die vom Dick- in den Dünndarm eingewandert sind. Dort kommt es dann zum unkontrolliertes Wachstum mehrerer Stämme.

  • Doch auch eine Streptokokken-Infektion in Gestalt einer Lebensmittelvergiftung oder Reisediarrhoe ist als Ursache nicht auszuschließen. Durch die Aufnahme der Bakterien fallen bestimmte Gifte an, die den migrierenden motorischen Komplex lahmlegen können.

  • Eine Antibiotika-Einnahme bringt generell die Darmflora durcheinander.

  • Einem trägen Darm kann aber auch eine Schilddrüsenunterfunktion zugrunde liegen.

  • Operationen, Vernarbungen, Endometriose und Entzündungen kommen als Bremsklötze der Darmperistaltik ebenso in Frage.

  • Last but not least ist eine vegetative Dysregulation eine ernst zu nehmende Ursache. Chronischer Stress und/oder Traumata halten das sympathische Nervensystem daueraktiv. Dies lässt die Darmpersitaltik erlahmen, denn im Kampf- oder Fluchtmodus ist Verdauung eher hinderlich. Nur im entspannten, parasympatischen Zustand kann die Darmperistaltik ihr Optimum entfalten.

Arten der SIBO

Wasserstoffbildende Bakterien führen tendenziell zu Durchfall.

Archaebakterien wandeln Wasserstoff in Methangas um, was in großen Mengen Verstopfung zur Folge hat, denn Methan macht den Darm nicht nur träge, sondern lähmt ihn regelrecht.

Sulfatreduzierende Bakterien riechen wegen des Schwefels nach faulem Ei. Die Bildung von Schwefelwasserstoff führt zu Brainfog, Gelenkschmerzen, Durchfall und Verstopfung im Wechsel.

Fermentationsprozesse im Dünndarm

Komplexe Kohlenhydrate, wie Vollkornbrot, werden über die gesamte Strecke des Dünndarms aufgenommen. Deshalb gelangen sie bis ans Ende des Dünndarms, wo die falschen Bakterien auf sie warten. Doch auch Zucker, Laktose, Fruktose und stärkehaltige Lebensmittel, zu denen die Hülsenfrüchte zählen, verstärken die Symptomatik.

Der mit einer Fehlbesiedlung einhergehende Blähbauch baut sich durch Nahrungsaufnahme über den Tag auf, um nachts zu verschwinden. Das Gas wird in die Blutbahn aufgenommen, und nach Zirkulation im Körper abgeatmet. Dabei gelangen die Gase auch ins Gehirn, was den Brainfog erklärt.

Folgen einer unerkannten SIBO

Da im Dünndarm die Nährstoffe resorbiert werden, ist der Speisebrei dort noch sehr gehaltvoll. Die illegal ansässigen Bakterien futtern uns die Nahrung weg, wodurch sie unserem Körper wichtige Vital- und Mineralstoffe vorenthalten. So kann es trotz gesunder Ernährung und  Supplementierung von Nahrungsergänzungsmitteln* zu Mangelerscheinungen kommen. Zusätzlich produzieren die Mikroben Gase, indem sie die Nahrung fermentieren.

Bei der Verstoffwechslung der Nährstoffe entstehen außerdem toxische Metaboliten, die nicht nur Gase produzieren, sondern durch oxidativen Stress auch Entzündungsprozesse anfeuern. Da es sich bei den Übeltätern jedoch um unsere eigenen Bakterien handelt, bleibt eine Immunreaktion aus.

SIBO ist außerdem Ausgangspunkt für

Diagnose

Mittels einer Stuhlanalyse lässt sich keine Aussage über die Zustände im Dünndarm treffen. Auch eine Darmspiegelung, die sogenannte Coloskopie, gibt nur Einblicke in den Dickdarm. Die vier Meter unseres Dünndarms lassen sich makroskopisch nicht messen.

Ähnlich verhält es sich mit den Maßnahmen, die zur mechanischen Reinigung vorgenommen werden. Einläufe und Colonhydrotherapie beschränken sich nur auf Abschnitte des Dickdarms.

Der SIBO Atemtest

Für einen SIBO Atemtest kommt Laktulose zum Einsatz, damit auch Methan nachgewiesen werden kann. Denn dies gestattet eine gezieltere Therapie. Die schulmedizinische Glukose-Messung ist nicht hinreichend aussagekräftig, weil sie nur Wasserstoff misst, der jedoch von den potentiell ansässigen methanbildenden Bakterien verstoffwechselt, also aufgebraucht wird.

Ein Glukose-Test focussiert sich nur auf den Anfang des Dünndarms. Meist ist jedoch dessen Endteil von einer SIBO betroffen. Die Glukose ist bis dahin bereits vom ersten Drittel des Darms absorbiert worden.

Bei einer tiefer liegenden Dünndarmfehlbesiedlung, zum Beispiel kurz vor dem Übergang zum Dickdarm, haben die Störenfriede dann kein Testsubstrat (Glukose) mehr zu verstoffwechseln, weshalb nun keine beweisgebende Reaktion mehr stattfinden kann. Deshalb haben Glukose-Atemtests meist ein negatives Ergebnis, und sind für eine aussagekräftige Diagnose nicht hilfreich.

Die Laktulose, ein künstlich hergestellter Zucker, eignet sich diesbezüglich besser. Ihr Vorteil gegenüber der Glukose ist, dass sie nicht vom Darm resorbiert, aber von den Bakterien verstoffwechselt werden kann.

Wenn die Atemgase vor Eintritt in den Dickdarm ansteigen, deutet das auf eine SIBO hin. Sobald die Laktulose auf Bakterien trifft, fermentieren Letztere diesen Zucker unter Gasbildung, die über die Ausatemluft gemessen wird.

Um welche Gase es sich genau handelt und wo sie entstehen, setzt die Kenntnis der Transitzeiten der Darmpassage voraus. Diese Transportzeit im Dünndarm beläuft sich normalerweise auf 120-160 Minuten. Eine Gasbildung bei Minute 30 deutet also klar auf deren Entstehung im Dünndarm hin!

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Verfälschte Messwerte

Doch auch einen negativen Befund gilt es bei eindeutigen SIBO-Symptomen nicht hinzunehmen.

Denn falls eine Gasbildung nicht nachweisbar ist, gibt es sehr wahrscheinlich eine Spezies von Bakterien, die die messbaren Gase verstoffwechselt, woraus eine flache Messkurve resultiert. Das positive Ergebnis bleibt in diesem Fall nicht aus, weil kein Gas entstanden ist, sondern weil andere Bakterien sich diese Gase einverleibt haben, um z.B. das Hydrogensulfit zu bilden, aus dem der Schwefelwasserstoff entsteht.

Auch ohne Atemgastest kann man durch ein paar kohlenhydratfreie Tage herausfinden, ob man betroffen ist. Bleiben dann die üblichen Blähungen aus, deutet alles auf eine Fehlbesiedlung hin.

So funktioniert der Atemtest

Die Vorbereitungen zum Atemtest gehen nicht mit allzu großen ernährungstechnischen Entbehrungen einher. Auch wenn oft bereits die Einschränkungen eine Besserung der Symptomatik erkennen lassen, liefert ein einfach durchzuführender Test endgültige Klarheit.

Vor dem Heim-Test

  • eine Woche keine Prä- und Probiotika, kein hochdosiertes Magnesium oder Vitamin C,

  • drei Tage vorher keine blähenden Speisen,

  • einen Tag vorher eine spezielle Diät: keine Kohlenhydrate außer weißer Toast (dessen Kohlenhydrate werden so schnell gespalten, dass der Dünndarm sie aufnimmt, bevor sie Unheil anrichten können) oder Jasminreis, damit wirklich kein Futter für die Bakterien zur Verfügung steht.

  • Proteine und nicht blähendes Gemüse sind erlaubt.

  • 12 Stunden vorher gar nichts essen

  • der Test funktioniert über Provokation mit der Galaktose

Der Atemgastest nimmt circa drei Stunden Zeit in Anspruch. Nachdem die Nullprobe durchgeführt worden ist, folgt die Einnahme der Testzuckerlösung. Anschließend gilt es, alle 20 Minuten ins Röhrchen zu blasen. Die Messungen werden im Labor  ausgewertet. 

Therapie

Befund positiv. Was nun?

Zum Ausrotten der Bakterien haben sich verschiedene synthetische Antibiotika bewährt.

Aber auch pflanzliche Stoffe kommen erfolgreich zum Einsatz. Diese natürlichen, antibiotisch und sogar antimykotisch wirksamen Mittel sind viel weniger aggressiv. Zwar dauert die Behandlung mit diesen sehr effektiven Pflanzenextrakten mit 6-12 Wochen circa doppelt so lange wie mit den Erstgenannten, aber die Mühe lohnt sich, denn sowohl das Mikrobiom des Dickdarms, als auch die Darmschleimhaut bleiben bei einmaliger Anwendung weitestgehend unversehrt.

Pflanzliche, antimikrobiell wirksame Substanzen sind z.B. Noni, schwarze Walnuss, Heilpilze, Oregano, Lavendelöl, Erdrauch, Traubenkernextrakt, Knoblauch, Mariendistel und Heidelbeerextrakt.

Mischungen dieser Stoffe können zusätzlich die Peristaltik anregen und den Biofilm ablösen, in dem sich die Bakterien einnisten und dadurch weniger angreifbar sind.

Einsatz von Prokinetika

Der Darm hat eine physiologische Eigenbewegung, die sogenannte Peristaltik. Diese wird über das enterische Nervensystem gesteuert, welches wiederum dem Einfluss des Nervus Vagus unterliegt. Die Peristaltik wird also stark durch unseren Stresspegel beeinflusst. Sie kann aber auch durch Methangas lahm gelegt werden, und so zur Verstopfung und zu SIBO führen.

Sitzende Statue in Gaswolke

Da die Darmmotilität durch Bitterstoffe* angeregt wird, die sich auch auf den für die Verdauung so wichtigen Gallefluss günstig auswirken, sollten sie dauerhaft in die tägliche Ernährung integriert werden. Ohnehin sind Bitterstoffe evolutionsbedingt ein essenzieller Bestandteil unserer Ernährung.

Auch Ingwer, grüne Bananen und Magnesiumoxid* aktivieren die Darmperistaltik.

Nachtesten?

Da SIBO Symptome denen von IgG-Reaktionen, Pilzerkrankungen wie Candida, oder Parasitenbefall ähneln, kann auch eine dieser Ursachen vorliegen. Dies gilt es zu bedenken, wenn die Therapie nicht anschlägt.

Einem wiederholten therapeutischen Durchlauf sollte aber auf jeden Fall ein neuer Test zuvorkommen. Denn eine weitere antibiotische Runde greift die Darmschleimhaut an. Das gilt auch für pflanzliche Antibiotika, denn auch die Phytomittel sind nämlich nicht harmlos, sonst hätten sie nicht die Kapazität Bakterien zu vernichten.

Ernährung während der Therapie

Die Ernährungsumstellung zielt darauf ab, den Bakterien ihr Futter zu entziehen, damit sie kein Gas produzieren können. Da nur Kohlenhydrate, also Zucker, die unerwünschten Reaktionen hervorruft, gilt es,

  • die Kohlenhydratzufuhr zu reduzieren. Auch Hülsenfrüchte sind sehr kohlenhydratreich.

  • auf stärkehaltiges Gemüse zu verzichten. Dazu zählen zum Beispiel Süßkartoffeln, Rote Bete und Möhren. Empfehlenswert ist die Fodmap-Diät

  • Vollkornbrot wird erst am Ende des Dünndarms verdaut. Deshalb bekommen es die fehlangesiedelten Bakterien im Dünndarm ab und sorgen für Aufruhr. Da Weißmehltoast oder geschälter Reis am Anfang des Dünndarms verdaut werden, ist ihnen während der Therapie der Vorzug zu geben.

Das Wettrennen entscheidet, wer den Zucker zuerst bekommt. Ich oder die Bakterien? Wenn letztere siegen, bekomme ich den Blähbauch.

Wenn die Kohlenhydratzufuhr wegfällt, muss sich der Stoffwechsel erst einmal umstellen. Ähnlich wie beim Ketose-Phänomen können die fehlenden Kohlenhydrate aber durch Fett ersetzt werden. Mit Fetten können diese Bakterien nichts anfangen. Irgendwann lernt der Körper, die Energie aus Fetten zu gewinnen und ist nicht mehr auf Zucker angewiesen.

Die therapiebegleitende Diät ist an individuelle Vorlieben anpassbar: Ob vegan, vegetarisch oder Allesesser. Letztere haben es allerdings leichter, da für sie mehr zur Auswahl steht, gerade was Proteine angeht. Denn leider zählen die Leguminosen, zu denen auch Soja gehört, auf Grund ihres hohen Stärkeanteils, zu den zu meidenden Kohlenhydraten.

Für Veganer bleiben Nüsse, Kürbiskerne, Pilze. Vegetarier müssen auf laktosefreie Milchprodukte achten, denn auch Laktose ist ein von den Bakterien gern gesehener Zucker.

Hülsenfrüchte
Hülsenrüchte enthalten viel Stärke und deshalb bei SIBO kontraindiziert.
  • Von Kaffee ist während der Therapie abzuraten, es sei denn, er ist ganz dünn. Wer nicht auf sein starkes Lieblingsgetränk verzichten will, kann folgenden Trick anwenden: Indem man vor dem Trinken des konzentrierten Kaffees ein großes Glas Wasser trinkt, wird der Kaffee im Magen trotz vollen Geschmacks verdünnt.
  • Zucker ist zu meiden. Süßen nur mit Stevia (wirkt wie ein Biofilmdisruptor) oder reiner Glukose, die direkt zu Beginn des Darms resorbiert wird.

  • Zur Unterstützung der Verdauung muss die Nahrung gründlich gekaut werden. Die Speichel-Amylase hilft so bei der Vorverdauung, und kleinere Nahrungsbestandteile lassen sich viel besser weiterverarbeiten.

  • Eine halbe Stunde vor und eine ganze Stunde nach dem Essen sollte nichts getrunken werden, um die Verdauungssäfte nicht unnötig zu verdünnen und in ihrer Wirksamkeit einzuschränken.

  • Ein stressfreies Essen schont den Motoneuronenkomplex. Bei gestresster Nahrungsaufnahme nützt selbst die beste Ernährung nichts. Eine optimale Verdauung setzt die Aktivität des Parasymphaticus voraus. Und für große Stücke im Magen braucht es mehr Magensäure, und auch Pankreas und Galle werden mehr gefordert,

  • Intervallfasten 16/8, und große Essenspausen zwischen Mahlzeiten am Tag. Keine Snacks!

  • Es lohnt sich, die eigene Blutgruppe zu beachten. So verträgt beispielsweise die Gruppe 0 ohnehin keine Unmengen an Kohlenhydraten, dafür aber Fett und Fleisch.

  • Jasminreis ist erlaubt, weil er eine andere Stärkezusammensetzung hat, deren Hauptanteil Amylopektin ist, welches von den Bakterien nicht zersetzt wird.

  • Kein Alkohol, außer Gin, Whisky und Wodka.

  • Die sogenannte Elementardiät ersetzt als hochkalorische Funktionsnahrung (Lösung aus Glukose, Fetten und Aminosäuren) die vorangegangenen Tipps. Sie wird sofort vom Körper aufgenommen, und verspricht nach zweiwöchiger Einnahme eine hohe Erfolgsquote.

  • Mit Fasten lassen sich die Bakterien nicht zu Boden zwingen, es führt nur zu unnötigem Verlust von Proteinreserven.

Wichtig beim Essen sind auch die Pausen: Wenn der Darm genug Zeit zwischen den Mahlzeiten hat, kann sich der migrierende motorische Komplex erholen, und beginnt wieder zu arbeiten.

Das als Magenknurren bekannte Geräusch ist nämlich eigentlich der Spülmodus des Dünndarms. Wenn der reibungslos funktioniert, werden damit bestenfalls auch unerwünschte Bakterien verdrängt.

Therapie: Entspannung

Wie bei den meisten Krankheitsursachen spielt auch bei der Dünndarmfehlbesiedlung Stress eine wesentliche Rolle. Hier gilt es also gezielt anzusetzen. Neben Entspannungstechniken wie Meditation oder Mantrasingen hat sich das Hypoxie-Training* als sehr hilfreich erwiesen. Dabei handelt es sich um eine einfach umzusetzende Atemtechnik.

Fallstricke

Erfolge können bereits nach drei Tagen eintreten.

Eine eventuelle, vermeintliche Unverträglichkeit des Antibiotikums erklärt sich damit, dass manche Bakterien, zu denen übrigens auch Borrelien zählen, Giftstoffe in ihrer Zellwand haben, die beim Absterben (“die off”) durchs Antibiotikum freigesetzt werden, was zu Magen-Darm-Beschwerden führen kann. Grippeähnliches Befinden und Leistungsabfall sollten dann nicht vorschnell zum Absetzen des Medikaments verleiten. Meist äußert sich in diesen Begleitsymptomen der Beginn einer erfolgreichen antibiotischen Therapie.

Zum Binden der Giftstoffe eignen sich Aktivkohle*, Zeolith*, Bentonit* oder Heilerde*, wenn sie mit zeitlichem Abstand zur Arznei eingenommen werden. Ausreichendes Trinken hilft dem Körper dabei, die Gifte auszuschwemmen.

Bei sehr sensiben Patienten kann es gegebenenfalls dennoch hilfreich sein, die antibiotische Dosis zu reduzieren und die Zeitspanne der Therapie entsprechend zu verlängern.

Langfristige Ernährungsumstellung

Langfristig ist bei der Ernährung auf eine ausreichende Proteinzufuhr zu achten. Das tägliche Minimum beträgt hier 0,8g pro kg Körpergewicht. Für Kinder und ältere Menschen sogar 1g.

Zu bedenken bei der Berechnung sind die Eiweißanteile und die Bioverfügbakeit der verschiedenen Nahrungsmittel. Tierisches und pflanzliches Protein werden unterschiedlich gut vom menschlichen Organismus aufgenommen.

Ausgerechnet Hülsenfrüchte als wichtige vegane Eiweißlieferanten werden von SIBO Patienten schlecht vertragen. Wenn man sich jedoch auf die traditionelle Zubereitung besinnt, kann diesem Problem entgegengewirkt werden: Der Lektingehalt kann erheblich reduziert werden, wenn die Leguminosen 24 Stunden in Wasser eingeweicht und damit mikrofermentiert werden. Erst dann sollten sie weiterverarbeitet werden, wobei das Einweichwasser entsorgt wird und der Garvorgang in frischem Wasser stattfindet, am besten dampfgegart. Dadurch werden die Antinährstoffe weitestgehend unschädlich gemacht.

Achtung vor fertig gegarten Produkten: Auch die sind im Zweifesfall nicht traditionell vorbehandelt worden, was jedoch nachgeholt werden kann, indem man die Flüssigkeit abgießt, die Hülsenfrüchte abspült und für 24 Stunden in frischem Wasser nachbehandelt.

Präbiotika

Flohsamen können SIBO fördern! Für die Anregung der Verdauung eignen sich auch Akazienfasern*. Auch Inulin (in vielen probiotischen Produkten als Futter für die darin enthaltenen Bakterien zugesetzt) macht anfangs Probleme. Jedoch lässt es sich durch ein langsames Steigern der Dosis erfolgreich in den Speiseplan integrieren.

  • Partiell hydrolysiertes Guarkernmehl* ist bei der Dünndarmfehlbesiedlung sogar vorteilhaft. Es fördert ganz spezielle Bakterien, die wiederum im Dünndarm antibiotisch wirken.

  • Galactooligosaccharide*

Fazit

Einmal diagnostiziert, lässt sich das Ende eines oftmals langen Leidensweges absehen. Die Kenntnis sowohl der Ursachen, als auch der Vorgehensweise beim Ausrotten der falsch angesiedelten Bakterien bildet eine gute Voraussetzung für eine erfolgreiche Heilung.

Medizinischer Haftungsausschluss

Die hier angebotenen Inhalte dienen ausschließlich der neutralen Information und allgemeinen Weiterbildung. Sie stellen keine Empfehlung oder Bewerbung der beschriebenen oder erwähnten diagnostischen Methoden, Behandlungen oder Arzneimittel dar. Der Text erhebt weder einen Anspruch auf Vollständigkeit noch kann die Aktualität, Richtigkeit und Ausgewogenheit der dargebotenen Information garantiert werden. Der Text ersetzt keinesfalls die fachliche Beratung durch einen Arzt oder Apotheker und er darf nicht als Grundlage zur eigenständigen Diagnose und Beginn, Änderung oder Beendigung einer Behandlung von Krankheiten verwendet werden. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden immer den Arzt Ihres Vertrauens! Die HeilBAR übernimmt keine Haftung für Unannehmlichkeiten oder Schäden, die sich aus der Anwendung der hier dargestellten Information ergeben.

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