Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten als Ursache für chronische Entzündungen

Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten als Ursache für chronische Entzündungen

Das Heimtückische an Nahrungsmittelunverträglichkeiten ist, dass sie unbemerkt im Hintergrund ablaufen. Das Grauen lauert hinter der (löchrigen) Darmwand. Dort ereignen sich klammheimlich chronische Entzündungsreaktionen, die vordergründig keine spürbaren Symptome auslösen, und schon gar keine unmittelbaren. Und genau das macht sie so schwer diagnostizierbar.

Ich bin erschüttert. Es liegt mir absolut fern, in die Bresche der
sensationsheischenden Geschichtenerzähler zu schlagen. Doch in diesem Fall scheint dies unumgänglich.
Du dünkst dich in Sicherheit, da du das verfluchte Gluten von deinem Speiseplan verbannt hast? Hast deine Vorräte mit Buchweizen, Amaranth und gesunden Nüssen aufgestockt? Wie kannst du denn ahnen, dass von diesen so gesunden, inzwischen liebgewonnenen Nahrungsmitteln Gefahr ausgehen könnte?
Dass Milch nicht gesund ist, okay, davon haben die meisten gehört. Und die anderen entzündungsfördernden Nahrungsmittel, wie Fleisch, Zucker und Transfette, kommen dir schon lange nicht mehr in die Tüte.

Doch wie kann eine unschuldige Blaubeere eine Immunreaktion auslösen? Die wegen ihrer besonderen antioxidativen und entzündungshemmenden
Eigenschaften
auf der Liste der gesunden Lebensmittel ganz weit oben steht!

Wie ist also ohne das Wissen um deine (Un-)verträglichkeiten eine antientzündliche und somit gesunde Ernährung möglich?

Wie machen sich Nahrungsmittelunverträglichkeiten bemerkbar?

Welche Reaktionen laufen weitestgehend unbemerkt, jedoch trotzdem nicht folgenlos im Körper ab?

Wie kommt es zu Nahrungsmittelunverträglichkeiten und wie verläuft ein Test?

Diesen Fragen will ich im Folgenden widmen.

Du ernährst dich vermeintlich gesund und fühlst dich dennoch nicht besser? Hast sogar deine Ernährung komplett umgekrempelt? Aber Nahrungsmittelunverträglichkeit trifft auf dich nicht zu, denn dir sind keine unmittelbaren Reaktionen nach dem Essen aufgefallen? Das muss nichts heißen.

Ich habe nie spürbar auf irgendetwas Essbares reagiert. Außer, dass ich mich nach dem Essen oft aufgebläht fühlte, und manchmal schlagartig hundemüde wurde. Daran hatte ich mich gewöhnt. Keine der diversen schulmedizinischen Untersuchungen hatte Auffälligkeiten entdeckt.

Irgendwann bemerkte ich mit großem Bedauern, dass ich unmittelbar nach dem Verzehr frischer Feigen ein leichtes Brennen im Oberbauch verspürte. Aber so frisch vom Baum waren sie doch gerade so besonders gesund! Zugegeben, ein bisschen viel Fruchtzucker, wenn man es mit der Menge übertreibt, aber doch saisonal! Zur Apfelsaison werden doch auch mehr Äpfel verzehrt als zu anderen Zeiten. Na also!

Als ein Freund mir enthüllte, wie er seine chronische Müdigkeit erfolgreich hat abschütteln können, nämlich durch den Verzicht auf Nahrungsmittel, die sein Körper dem Ergebnis eines umfangreichen Tests zufolge nicht vertrug, wurde ich neugierig. Jetzt wollte ich es wissen. 

Ich bestellte mir online jene Version, bei der ich individuelle Testwünsche äußern konnte. Denn meine Lieblingsnahrungsmittel, wie Hanfsamen, Avocados und Feigen, wurden in den standardisierten Versionen für Carnivoren und Veganer nicht berücksichtigt

So funktioniert`s:

72 Lebensmittel durfte ich mir aussuchen. So viele! Doch die Kreuze waren im Handumdrehen verteilt, ohne dass damit alle zu testenden Kandidaten abgedeckt waren! Ich löschte einige Kreuze mittels TippEx, und verteilte sie nach neuer Relevanz um. So jonglierte ich eine ganze Weile, bis die auszufüllende Liste ein einziges Flickwerk war. 

Naja, Entscheidungsfähigkeit ist nicht meine Kernkompetenz.

Die Blutentnahme in der Fingerbeere hingegen verlief kinderleicht und schmerzlos. Das Testergebnis trudelte nach ein paar Tagen per email ein. Jedoch wollte ich der Wahrheit erst nach meinem letzten, noch ahnungslosen Abendmahl am selbigen Tag ins Auge sehen. Denn natürlich fürchtete ich mich davor, ab sofort auf liebgewonnene Leckereien verzichten zu müssen.

Etwas aufgeregt loggte ich mich in meinen Account ein. Und sah mir zu meiner großen Überraschung rot markiert entgegenleuchten:

Nahrungsmittelunverträglichkeit Testergebnis
Mein Testergebnis

Glücklicherweise löste der überwiegende Anteil meiner bevorzugten Nahrungsmittel keine Reaktion aus, so dass der erste große Schock angesichts reichlich verfügbarer Alternativen  schon bald einer neu gewonnenen Zuversicht auf Besserung meines körperlichen Befindens wich.

So zwang mich mein Körper nun quasi zum Veganismus, mit dem ich ja bereits vor zwei Jahren einen Versuch gestartet hatte. Jener war primär an meiner Eierliebe gescheitert, und geriet anschließend zuungunsten des Allheilverprechens von Milchkefir komplett ins Abseits.

Vielleicht entspricht Veganismus ja doch eher einer artgerechten Ernährung?

Welche Arten von Nahrungsmittelunverträglichkeiten gibt es?

Allergien vom Typ 1.
IgE - vermittelte Reaktionen

Unverträglichkeit – das klingt so harmlos.
Genau genommen, handelt es bei den oben beschriebenen, sogenannten Unverträglichkeiten um Allergien. Jede Reaktion des Körpers auf Fremdstoffe, an der das Immunsystem beteiligt ist, wird als Allergie bezeichnet. Ungereimtheiten in der Begriffszuordnung haben sich möglicherweise deshalb etabliert, weil “Allergie” nach landläufigem Wissen mit einer Sofortreaktion verknüpft ist. Das trifft natürlich zu, allerdings nur für IgE-vermittelte Reaktionen, von denen in diesem Beitrag nicht die Rede sein soll.

Bei Reaktionen, denen eine Freisetzung von Immunglobulin E (IgE) zugrunde liegt, wird die darauf folgende Symptomatik durch eine massive Histaminausschüttung ausgelöst. Durch diese unmittelbare Reaktion kann der Auslöser meist eindeutig dingfest gemacht werden. Deshalb wissen Betroffene generell Bescheid darüber, ob und gegen was sie allergisch reagieren, und um welche Allergene sie einen Bogen machen sollten. Diese Frage taucht ja auch auf jedem selbst auszufüllenden Anamnesebogen auf.

Allergien vom Typ 3.
IgG - vermittelte Reaktionen

In diesem Beitrag soll es jedoch um Allergien vom Typ 3 gehen, bei denen das Immunsystem mittels Bildung von Immunglobulin G (IgG) reagiert. Da dies, im Gegensatz zur oben beschriebenen Typ 1-Reaktion, zeitlich verzögert und unspezifisch abläuft, und damit so gut wie nie dem jeweiligen Auslöser zuzuordnen ist, können eventuell auftretende Symptome nicht mehr damit in Zusammenhang gebracht werden.

Denn es kann sich bei der “verspäteten” Reaktion um Jahre, gar Jahrzehnte handeln. Die sehr komplexe IgG-Antwort löst über eine Reihe von Antikörper-Abwehrmechanismen Entzündungsprozesse im Körper aus, die über lange Zeit hinweg unerkannt, verheerende Folgen nach sich ziehen können. 

Irgendwann scheinbar aus dem Nichts auftretenden Symptomen, wie Kopfschmerzen als harmloses Beispiel, kann dann keine erkennbare Ursache zugeschrieben werden. Doch die unbemerkten Entzündungen können auch in schwerwiegendere chronische Erkrankungen, wie Rheuma und Arteriosklerose münden.

Erschwerend hinzu gesellt sich der Umstand, dass diese “silent inflammations” so versteckt ablaufen, dass sich mittels konventioneller Testverfahren meist keine Entzündungsmarker nachweisen lassen. Somit wird der Patient als körperlich gesund aus der schulmedizinischen Praxis entlassen, bestenfalls zum Psychologen überwiesen, und tappt dort auf der Suche nach Heilung weitere Jahre im Dunkeln.

Schätzungen zufolge sind etwa vierzig Prozent der westlichen Bevölkerung von einer Nahrungsmittelunverträglichkeit betroffen.

Unverträglichkeiten vs. Allergien

Bei Nahrungsmittelallergien, die, wie gesagt, im allgemeinen Sprachgebrauch als
Unverträglichkeiten quasi verharmlost werden, handelt es sich um immunologische
Reaktionen auf Nahrungsproteine
. Im Falle eines positiven Testergebnisses auf
Milchprodukte kämpft der Körper gegen das Casein, das Milchprotein

Die Laktoseintoleranz hingegen ist durch das Fehlen des Enzyms Laktase, das für die
Aufspaltung des Milchzuckers (ein Zweifachzucker und somit Kohlenhydrat) verantwortlich ist, zu erklären. Die Durchfallsymptomatik nach Genuss von Milchprodukten bei vorliegender Laktoseunverträglichkeit läuft innerhalb des Darms ab. Sie beruht auf der gasbildenden bakteriellen Zersetzung der unverdauten Laktose in Verbindung mit osmotischen Prozessen, und ist von einer immunologischen Reaktion klar abzugrenzen.

Der Ersatz durch laktosefreie Milchprodukte löst also nicht zwangsläufig das ganze Problem, wenn gleichzeitig eine unerkannte Allergie gegen Casein besteht.

Wie wirken sich Nahrungsmittelunverträglichkeiten auf den Körper aus?

Stell dir vor, wie du in absoluter Ahnungslosigkeit deinem Körper dreimal täglich
Nahrungsmittel zuführst, die er gezwungenermaßen jedesmal mit einer Immunnreaktion beantwortet und damit den Entzündungsschub triggert! Dies über Jahre hinweg.

Ist es da ein Wunder, dass dir dein Körper nach dreißig, vierzig oder mehr Jahren nicht mehr jene Energie zur Verfügung stellen kann, die dein Körper im Alter von sechs Jahren hatte? Du glaubst, es sei normal, also altersentsprechend, mit siebzig Prozent oder weniger auskommen zu müssen?

Das Immunsystem benötigt sehr viel Energie für seine Arbeit. Und es verbraucht Unmengen an Mikronährstoffen. Bei Überlastung durch Nahrungsmittelunverträglichkeiten bleiben nur wenige Ressourcen für seine eigentliche Arbeit, die Immunabwehr. So kann eine lange unerkannt bestehende Nahrungsmittelallergie zu häufigen Infekten führen. Doch ein dauerhaft überlastetes Immunsystem kann auch in chronische Erschöpfung münden.

Wie kommt es zu Nahrungsmittelunverträglichkeiten?

Schema eines leaky gut Syndroms
Nicht markierte Nahrungsproteine lösen eine Immunantwort aus

Warum reagiert mein Immunsystem allergisch auf Nahrungsmittel?

Eine intakte Darmbarriere ist in der Lage, mit dem Organismus nicht zuträglichen Stoffen adäquat umzugehen. Körperfremde Strukturen, wie Krankheitserreger, werden vom darmspezifischen Immunsystem bereits in den Enterozyten der nur einzelligen Darmschicht erfolgreich abgewehrt. Auch Nahrungsbestandteile werden einem Check unterzogen, dürfen aber, obwohl als fremd markiert, die Darmbarriere Richtung Blut passieren.

Wenn nun jedoch, wie mittlerweile leider weit verbreitet, ein leaky gut besteht, gelangen ungeprüfte Nahrungsproteine illegal ins Blut, wo sie für Aufruhr sorgen, indem sie die dort ansässige Immunabwehr alarmieren. Antikörper versuchen die Eindringlinge unter Kontrolle zu bringen. Bei größerer Invasion werden sogar Immunkomplexe gebildet, deren späterer Abbau Entzündungen im Körper auslöst. Denn Entzündungen sind eine ganz normale Strategie unseres Abwehrsystems, Störenfriede zu entsorgen.

Um welche Nahrungsmittel es sich handelt, ist ganz individuell. Oft trifft es allerdings die Milch- und Getreideprodukte.

Ein individueller Test spürt Nahrungsmittel auf, die in deinem Körper momentan solche Entzündungsreaktionen verursachen. Der gezielte Nachweis von Antikörpern in deinem Blut gibt Aufschluss über die jeweilige Stärke der Reaktion.

Nahrungsmittelunverträglichkeits - Test

Um welche Nahrungsmittel es sich handelt, ist ganz individuell. Oft trifft es allerdings die Milch- und Getreideprodukte.

Ein individueller Test spürt Nahrungsmittel auf, die in deinem Körper momentan solche Entzündungsreaktionen verursachen. Der gezielte Nachweis von Antikörpern in deinem Blut gibt Aufschluss über die jeweilige Stärke der Reaktion.

Entwarnung

Die gute Nachricht ist, dass du auf die Nahrungsmittel, die dein Körper momentan ablehnt, nicht für immer verzichten musst. Antikörper haben zwar eine lange Halbwertzeit, wenn sie jedoch nach einer ausreichenden Karenz komplett abgebaut wurden, kannst du das jeweilige Lebensmittel vorsichtig wieder einführen. Wenn du es dann noch willst. Vielleicht fühlst du dich ja inzwischen so wohl wie nie zuvor, und willst diesen Zustand um keinen Preis der Welt mehr aufgeben.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Julian

    Hallo Hedda, ein sehr interessanter Artikel. Es ist wirklich heimtückisch, wie sich solche chronischen Entzündungen Klammheimlich einschleichen können. Die Tests von Biobalance sehen vielversprechend aus. Hast du auch schon einmal die Tests von Viom probiert?

    1. Hedda Albrecht

      Hallo Julian,
      danke für dein Feedback! Nein, von Viom habe ich noch nichts gehört. Hast du damit Erfahrungen?

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